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GEDICHTE ZUM CHRISTSEIN - WEIHNACHTEN

von Joachim Krebs

DER BAUM

Getrennt von der Wurzel, ohne Verbindung zur Quelle,
steht er nun im Zimmer an besonderer Stelle.
Noch ist er frisch und noch voller Saft.
Er scheint voller Leben, voll Frische und Kraft.

Ein Zeichen für Hoffnung, für Licht in der Welt
und doch schon fast tot, weil die Wurzel ihm fehlt.
So wird er zum Gleichnis für den Zustand der Welt,
die ohne Verbindung zu Gott ins Chaos verfällt.

Noch scheint sie zu leben, noch reicht ihre Kraft,
um den Eindruck zu erwecken, dass der Mensch es schon schafft.
Der Mensch will herrschen und retten und bleibt dennoch nur Gast,
saniert und kuriert, statt an der Wurzel, am Ast.

Geschmückt wie der Baum, verschönt und verziert.
Das Geschöpf ohne Schöpfer ist erschöpft und frustriert.
Verbindung zur Wurzel ist nötiger als je zuvor.
Es stirbt und geht ein, was seinen Ursprung verlor.

LICHTER

lichter leuchten in den strassen,
aus der nacht wird heller tag.
weihnachtsmärkte für die massen,
christkind, nikolaus mit sack.

lieblich klingen weihnachtslieder,
in die sonst so kalte welt.
alle jahre staun ich wieder,
daß den menschen das gefällt.

wenige nur, die bedenken,
was in bethlehem geschah.
und voll eifer mit geschenken
überhört man: „gott ist da!“

längst schon ist er angekommen,
unbeachtet und verkannt,
hat er bei uns platz genommen,
nicht im zentrum, nur am rand.

oder darf er in die mitte,
darf er bei uns an die macht?
hören wir auf seine bitte,
haben wir ihm aufgemacht?

er will mehr als fromme lieder,
er will mehr als frommen schein,
er will seine kinder wieder.
voller liebe lädt er ein:

an die krippe, an sein herz,
an sein kreuz und in sein haus.
dort ist leben ohne schmerz,
gehen nie die lichter aus.

unsre lichter geh´n zuende.
begrenzt ist unsre lebenszeit.
in bethlehem geschieht die wende,
in die zeit kommt ewigkeit.

UNPASSEND

Er paßt nicht in unsre Formen,
er paßt nicht in unser Spiel.
Er erfüllt nicht unsre Normen,
er paßt nicht zu unserm Stil.

Er kommt anders als wir denken,
er kommt klein und unscheinbar.
Er kommt, um sich selbst zu schenken,
er wird Mensch mit Haut und Haar.

Niemand hat´s in Rom verkündet,
niemand sagt´s der Geistlichkeit.
Bei den Hirten hat´s gezündet -
Engelschor der Ewigkeit.

Ob sie Theologie verstehn,
ist für Gott nicht relevant.
Wichtig ist nur, daß sie gehn,
ohne Zögern, unverwandt.

Ungewaschen, ohne Schlips,
kommen sie zum Herrn der Welt.
Der braucht sicher ihre Tips,
wie man die Herde zusammenhält.

Das kleine Kind im Futtertrog,
ist der Retter dieser Welt.
Gott sucht mit uns den Dialog,
im Kind hat er sich vorgestellt.

Keine Bildung, keine Ehre,
keinen Titel, keine Macht!
Statt der Fülle nur die Leere,
statt des Goldes nur die Nacht.

Paßt er so in unser Leben,
paßt er so, daß er bestimmt?
Oder liegt er voll daneben,
ohne Weihnachtsduft und Zimt?

Ohne Stimmung keine Weihnacht,
ohne Kerzen kein Gefühl.
Wehe dem, der da nicht mitmacht,
wehe dem, der das nicht will!

Wenn Gott heute noch mal käme,
würde er heut besser passen?
Wenn er uns die Stimmung nähme,
würden wir ihn handeln lassen?

Das Fest auf´s Zentrum reduziert,
ohne Beiwerk, ohne Glanz.
Gute Nachricht konzentriert:
Gottes Liebe gibt sich ganz.

Er gibt das Liebste, das er hat;
gibt im Dunkel uns ein Licht.
Doch vom Feiern schon zu satt,
seh´n wir seine Liebe nicht!

Eines Tages wird er fragen:
„Was hast Du mit mir gemacht?
Meinen Namen zwar getragen,
aber nichts dabei gedacht!“

Wenn er kommt, wird uns das passen
oder sind wir nicht bereit?
Werden wir uns finden lassen?
Freunde, es ist höchste Zeit!

Er kommt dann, wenn´s keiner ahnt;
dann, wenn keiner dran gedacht;
dann, wenn wir es nicht geplant.
Er kommt wie ein Dieb bei Nacht.

Daß wir doch zu Lebenszeit
uns von ihm bestimmen lassen.
Dann bringt er uns auch so weit,
in die Ewigkeit zu passen!

WEIHNACHTEN – EIN FREUDENTAG

Noch klingt es in meinen Ohren:
Heute ist ein Freudentag.
Ein Kind, in Bethlehem geboren –
Gott wird Mensch, weil er uns mag!

Ja, er liebt uns – ganz egal,
was wir tun und wer wir sind.
Jeder Mensch ist erste Wahl,
jeden will er als sein Kind!

Deshalb kam er auf die Erde,
ging für mich nach Golgatha.
Er will, daß ich gerettet werde,
nimmt meine Schuld und kommt ganz nah!

Keiner lebt hier - ungeliebt;
auch wenn wir gern aussortier´n.
Jesus ist´s, der Hoffnung gibt,
Er wird Mensch, daß alle spür´n:

Noch ist Zeit, um umzudrehen;
neu zu starten, ganz von vorn.
Oh, daß wir doch recht verstehen;
deshalb ist das Kind gebor´n.

Noch klingt es in deinen Ohren:
Auch für dich ist Freudentag,
auch für dich ist er geboren,
auch für dich, weil er dich mag!

WEIHNACHTEN

Jedes Jahr dasselbe Spiel:
Schenken und Feiern - fast zuviel!
Einmal im Jahr ist man bedacht,
daß man dem andern Freude macht.
Oder daß es wenigstens so scheint,
auch wenn man´s gar nicht ehrlich meint.

Ein ganzes Jahr bekriegt man sich,
an Weihnachten, da liebt man sich.
Ein ganzes Jahr denkt man an sich,
an Weihnachten beschenkt man sich.
Ein ganzes Jahr beschwert man sich,
an Weihnachten, da ehrt man sich.

Denn schließlich steckt, so sieht man´s gern,
in jedem doch ein guter Kern.
Gar so verkehrt ist man doch nicht,
drum übt sich mancher im Verzicht.
Und was man sonst so leicht verschwendet,
an Weihnachten, da wird gespendet.

Das alles will ich nicht verwerfen,
doch geht´s mir manchmal auf die Nerven,
wenn man vom Fest der Liebe spricht
und sieht den Grund des Festes nicht.

Da hat es Gott sehr ernst gemeint,
wenn er als kleines Kind erscheint.
Da hat er sich wohl was gedacht,
wenn er sich selbst zum Menschen macht.
Der alles in den Händen hält,
wird Bürger der erschaff´nen Welt.

Warum stellt er sich mit uns gleich?
Er ist doch Herr. Er ist doch reich!
Warum kommt er so unscheinbar?
Als kleines Kind und nicht als Star?
Was ist der Grund für Gottes Kommen?
Ist er so weit heruntergekommen?

Gott kann sich´s leisten, abzusteigen.
Ganz unten kann er Größe zeigen.
Die Größe seiner Liebe trägt
selbst jenen Menschen, der ihn schlägt.
Um seine Liebe zu erklären,
verzichtet er auf Ruhm und Ehren.

Wenn einer zu Recht von Liebe spricht,
dann ist es Gott. Er täuscht uns nicht.
Sein Wort der Liebe ist zugleich auch Tat.
Er hält, was er versprochen hat.
Im Kind im Stall wird Gott konkret,
handgreiflich, sichtbar - damit der Mensch versteht:

Es gibt noch Grund zum Schenken und zum Feiern,
denn Gott will uns Menschen von Grund auf erneuern.
In Jesus zeigt er uns den Weg nach Haus,
er rettet uns, er holt uns raus.
In ihm schenkt er mir seine Nähe.
Ich seh das Kind und ich verstehe:

Wer sich in seine Obhut gibt,
erfährt hautnah, wie sehr er liebt.

WAS IST WEIHNACHTEN?

Das Fest der Kinder
und das Fest im Winter?
Das Fest der Lichter,
oder das Fest der Dichter?

Stress für die Verkäufer,
und Stress auch für die Käufer?
Stress, den der Eine liebt,
oder Stress, der andere betrübt?

Nur Stimmung und fürs Herz
mit Liedern gegen den Schmerz?
Nur Christkind und Nikolaus,
mit der Familie, im warmen Haus?

DAS IST WEIHNACHTEN

Gott kommt zur Welt,
Gott kommt, ganz arm und ohne Geld.
Gott schickt sein Kind,
Gott kommt, weil wir verloren sind.

In Jesus kommt Gott uns entgegen,
bei Jesus gibt es Leben und Segen.
Durch Jesus heilt Gott unsre Wunden,
an Jesus erkennt man, Gott ist uns verbunden.

Hast Du ihn, Deinen Retter, schon gefunden?

WEIHNACHTSZEIT oder: ZEIT FÜR WEIHNACHTEN

Sie haben es eilig,
es weihnachtet sehr.
Dieses Fest ist so heilig,
und doch scheint es leer.

Was sollen die Kerzen
an Straßen und Bäumen?
Erleuchtete Herzen
ist´s, was wir versäumen.

Was sollen die Lieder,
voll Stimmung für´s Herz?
Alle Jahre wieder
geht´s nur um Commerz.

Was sollen die Sterne
aus Kunststoff und Gold?
Gott hätte so gerne
uns selbst abgeholt.

Wer fragt schon nach Gott,
wer interessiert sich für ihn?
Unterwegs Richtung Tod -
sie jagen dahin.

Wer hält schon mal an,
wer denkt schon mal nach?
Ohne Ziel - welch ein Wahn!
Die Hoffnung liegt brach.

Hört einer den Ruf
des Vaters, der sucht,
den Mensch, den er schuf,
der vor ihm auf der Flucht?

Wer kann es verstehen,
was Gott für uns tut?
Ein Kind ist zu sehen,
durch dies wird es gut.

Was bringt uns ein Kind
für die Probleme der Welt?
Neue Hoffnung gewinnt -
wer sich an dieses Kind hält.

Gott wird Mensch wie wir,
kennt Schmerzen und Leid.
Er öffnet die Tür,
kommt in unsere Zeit.

In unsere Zeit
kommt der ewige Gott.
Macht euch doch bereit.
Er kennt eure Not.

Er kommt, um zu retten,
sein Name sagt´s aus.
Jesus sprengt Ketten,
er bringt uns nach Haus!
jk 11/2000

ALLE JAHRE WIEDER - GEHÖRTES UND UNERHÖRTES

Alle Jahre wieder
hört man fromme Lieder
von der heilgen Nacht.
Süß die Glöcklein klingen
und die Englein singen
bis der holde Knabe lacht.

Es rieselt der Schnee ganz leise
und deckt so auf heimliche Weise
den Dreck und das Elend schön zu.
Der Tannenbaum kriegt Blätter, das Essen macht uns f……… (netter),
wir gönnen uns die Ruh.

Familie, Baum und helle Kerzen,
die wärmen unsre kalten Herzen.
Wie schön ist´s doch im eignen Nest!
Ans Kind im Stall ist man gewöhnt,
es wird mit Himmelsglanz verschönt.
Ein himmlisches Geburtstagsfest!

Doch haben wir es auch bedacht,
daß Gott hier in die Windeln macht?
Als kleines Kind, als Mensch wie wir!
Und haben wir es schon entdeckt,
daß Jesus seine Eltern weckt?
Er braucht die Mutter, schreit nach ihr!

Gott wird ein Kind - wie unerhört,
mit allem, was dazugehört.
Mit Weinen und mit Lachen!
Er kann nicht sprechen und nicht laufen.
Wird er mit den Geschwistern raufen?
Wird er den Eltern Ärger machen?

So weit gibt Gott sich hier herab.
Und schließlich weiter bis ins Grab
treibt ihn sein Lieben.
Er scheint vernarrt in uns zu sein,
wir Menschen sind ihm nicht zu klein.
Hat uns nicht abgeschrieben.

Wer hat das wirklich ganz begriffen,
daß Gott kein Auge zugekniffen,
nicht auf sein Recht verzichtet?
Wer hat das wirklich ganz kapiert,
daß er sein Liebstes für uns riskiert,
den Sohn für uns gerichtet?

Unser Verstand und unsere Sinnen
und alles, was wir sonst beginnen,
kann solche Liebe niemals fassen.
Nur „Danke“ sagen können wir
und ihn, der wartend vor der Tür,
in unser Leben lassen.

Er kommt nicht nur ein Mal im Jahr,
mit Nikolaus und Engelschar.
Er ist beständig da.
Wer ihn, den Mann am Kreuz erkennt
und ihn zu seinem Herrn ernennt,
dem ist er täglich nah.
Zu ihm sagt, der in der Krippe lag:
„Ich bin bei Dir, an jedem Tag!“


GEDICHTE

(Autor: Joachim Krebs)

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